Intralogistik
Roboter in der Logistik: rechnet sich die Strecke?
Roboter Logistik heisst in der Praxis Durchsatz. In der Intralogistik entscheidet keine Produkteigenschaft, sondern eine Rechnung. Drei Zahlen sagen, ob sich eine Strecke automatisieren lässt und wie viele Geräte es dafür braucht.
Diese Seite rechnet das durch, mit offengelegten Annahmen. Danach geht es um die Stelle, an der die meisten Rechnungen kippen, um die Voraussetzungen in der Halle und um die Modelle, die wir für Lastenverkehr einsetzen.
- Die drei Zahlen, die über den Fall entscheiden
- Rechenbeispiel: eine Strecke, drei Szenarien
- Wo die Rechnung kippt: die Übergabe
- AMR oder fahrerloses Transportsystem
- Welche Aufgaben Roboter in der Logistik übernehmen
- Modelle für Lastenverkehr
- Voraussetzungen in der Halle
- Lager und Büro: die kleineren Strecken
- Häufige Fragen
Die drei Zahlen, die über den Fall entscheiden
Ein Logistikroboter ersetzt keine Anlage, er ersetzt Wegzeit. Der Durchsatz einer Strecke ist deshalb die eigentliche Kennzahl, nicht die Geschwindigkeit des Geräts. Ob sich das trägt, hängt an drei Grössen, und nur an diesen drei. Alles andere ist Detail.
Fahrten pro Tag
Wie oft muss die Strecke tatsächlich bedient werden. Nicht wie oft es theoretisch möglich wäre, sondern wie oft der Bedarf entsteht.
Fahrzeit je Runde
Hin und zurück, mit realistischer Geschwindigkeit statt Datenblattwert. Menschen im Weg, Kurven und Türen kosten Zeit.
Übergabezeit
Beladen am Start, entnehmen am Ziel. Der Posten, den fast alle unterschätzen und der am Ende die Gerätezahl bestimmt.
Rundenzeit = Fahrzeit hin und zurück plus Übergabe am Start plus Übergabe am Ziel. Nutzbare Runden pro Tag = Betriebszeit geteilt durch Rundenzeit, minus Puffer für Laden und Störungen. Geräte = benötigte Fahrten geteilt durch nutzbare Runden, aufgerundet.
Rechenbeispiel: eine Strecke, drei Szenarien
Das Folgende ist eine Modellrechnung mit offengelegten Annahmen, keine Kundendaten. Sie zeigt, welcher Hebel wie stark wirkt.
Annahmen
Strecke 180 Meter einfach, also 360 Meter je Runde. Effektive Geschwindigkeit 1,0 Meter pro Sekunde, also 6 Minuten Fahrzeit je Runde. Betriebszeit 8 Stunden, das sind 480 Minuten. Puffer 15 Prozent für Laden, Warten und Störungen. Bedarf 60 Fahrten pro Tag.
Die effektive Geschwindigkeit liegt bewusst unter dem Datenblattwert. Kurven, Türen und Ausweichen kosten Zeit.
| Szenario | Rundenzeit | Nutzbare Runden | Geräte für 60 Fahrten |
|---|---|---|---|
| A: Übergabe 2 plus 2 Minuten | 10 Minuten | 40 | 2 |
| B: Übergabe 5 plus 5 Minuten | 16 Minuten | 25 | 3 |
| C: Strecke halbiert, Übergabe 2 plus 2 Minuten | 7 Minuten | 58 | 2 |
Die Lehre steht in Zeile B und C. Sechs Minuten zusätzliche Übergabezeit kosten 15 nutzbare Runden. Die Strecke zu halbieren bringt 18 Runden. Beide Hebel sind fast gleich stark, aber nur einer davon lässt sich ohne Umbau der Halle verändern.
Genau hier liegt der Denkfehler in vielen Anfragen. Gefragt wird nach dem schnelleren Roboter. Gewonnen wird an der Übergabe.
Grenze dieser Rechnung
Die Modellrechnung sagt, wie viele Geräte eine Strecke braucht. Sie sagt nichts darüber, ob sich die Investition trägt. Dafür braucht es die tatsächlichen Personalkosten der heutigen Wegzeit, und die kennt nur der Betrieb selbst.
Wo die Rechnung kippt: die Übergabe
Ein Roboter, der auf Personal wartet, ist ein teurer Wagen. Die Übergabe entscheidet, ob aus der Automatisierung ein Gewinn wird, und sie hat drei Ausbaustufen.
Stufe 1
Manuelle Übergabe an beiden Enden
Jemand belädt, jemand entnimmt. Der Roboter übernimmt nur den Weg. Das ist der einfachste Start und funktioniert überall, wo die Übergabe sowieso in einen bestehenden Arbeitsschritt fällt.
Kippt, wenn niemand am Ziel wartet. Dann steht das Gerät und die Rundenzeit explodiert.
Stufe 2
Wagen tauschen statt umladen
Der Roboter unterfährt einen Rollcontainer, hebt ihn an und fährt ihn weg. Am Ziel setzt er ab und nimmt den leeren Wagen mit. Umladen entfällt komplett, die Übergabe schrumpft auf unter eine Minute.
Braucht standardisierte Wagen und definierte Stellplätze. Genau daran scheitert es oft, nicht an der Technik.
Stufe 3
Feste Übergabestation
Eine Station nimmt die Last auf und gibt sie ab, ohne dass jemand anwesend sein muss. Der Roboter fährt rund um die Uhr. Das ist die teuerste Stufe und die einzige, die echten Nachtbetrieb erlaubt.
Rechnet sich erst bei hoher Frequenz. Vorher ist Stufe 2 der bessere Kompromiss.
AMR oder fahrerloses Transportsystem
Ein autonomer mobiler Roboter, kurz AMR, navigiert frei. Er kennt eine Karte der Halle, plant seinen Weg selbst und weicht Hindernissen aus. Ein klassisches fahrerloses Transportsystem, kurz FTS, folgt einer festen Spur, früher ein Draht im Boden, heute meist Magnetband oder Reflektoren.
Die Wahl fällt an der Frage, wie stabil das Layout ist. Wechselt die Halle mehrmals im Jahr ihre Stellplätze, ist die freie Navigation im Vorteil, weil eine neue Route eine Softwareänderung ist und keine Bodenarbeit. Läuft dieselbe Linie im Takt immer gleich, kann die Spurführung genügen und ist im Betrieb robuster gegen Störungen.
Der zweite Unterschied ist der gemischte Verkehr. Wo Gabelstapler, Handhubwagen und Menschen dieselbe Fläche nutzen, muss das Fahrzeug ausweichen können. Eine feste Spur kann das nicht. Den ausführlichen Vergleich gibt es auf AMR gegen FTS.
Welche Aufgaben Roboter in der Logistik übernehmen
Nicht jeder Weg im Lager ist ein Fall für Automatisierung. Diese vier sind es fast immer, weil sie planbar, wiederkehrend und personalintensiv sind.
| Aufgabe | Warum sie sich lohnt | Lastklasse |
|---|---|---|
| Wareneingang zum Lagerplatz | Feste Start- und Zielzonen, hohe Frequenz, klar planbar | Palette oder Gitterbox |
| Kommissionierzone zum Versand | Wiederkehrende Strecke, oft der Engpass am Tagesende | Rollcontainer oder Behälter |
| Produktion zu Zwischenlager | Getakteter Bedarf, Wegzeit hält Fachkräfte von der Maschine weg | Palette oder Wagen |
| Leergut und Verpackungsmaterial zurück | Läuft heute nebenbei und bleibt deshalb liegen | Wagen oder Gitterbox |
Was nicht dazugehört: Greifen, Kommissionieren, Packen, Etikettieren. Ein Logistikroboter transportiert. Alles, was Hände braucht, bleibt beim Menschen oder braucht eine eigene Anlage.
Modelle für Lastenverkehr
Für Logistikstrecken sind die Geräte mit Hebefunktion und die Schwerlastplattform relevant. Tablett-Roboter aus der Gastronomie spielen hier keine Rolle.
| Modell | Lastklasse | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| AutoXing FT2000 Pallet Truck | Paletten und Schwerlast, 2.000 kg laut interner Spezifikation | Wareneingang, Produktion, Zwischenlager |
| AutoXing FT1500 Pallet Truck | Paletten und Schwerlast | Wie oben, kleinere Lastklasse |
| AutoXing AX8112 L-150, L-300, L-300E | Rollcontainer und Wagen | Kommissionierzone, Versand, Materialtransport |
| AutoXing AX8113 L-600 | Grössere Wagen, höhere Frequenz | Mehrschichtbetrieb, längere Strecken |
| AutoXing AX8114 S-150, S-300, S-300E | Rollcontainer, Sub-Lifting | Unterfährt den Wagen, enge Gassen |
| AutoXing AX8113 S-600 | Schwere Wagen, Sub-Lifting | Produktion, Zwischenlager |
| T300 with Lifting, T600 Underride | Rollcontainer auf kompakter Route | Enge Gänge, kleinere Hallen |
| AutoXing AX6113 D-150, D-300 | Behälter und Kisten | Kleinteile, Werkzeug, Postlauf im Betrieb |
Wie diese Liste entsteht
Die Modelle kommen aus unserem Katalog, nicht aus einem Vergleichsartikel. Traglast und Masse nennen wir aus dem Datenblatt des konkreten Modells, sobald die Strecke feststeht. Preise gehören ins Angebot, weil Gerätezahl, Ladeplätze und Übergabestufe sie stärker bestimmen als das Gerät.
Geht es nicht um Lasten in der Halle, sondern um Wege im Gebäude, ist Transportroboter die passende Seite. Dort steht die Routenprüfung mit Türbreiten, Schwellen und Aufzug.
Voraussetzungen in der Halle
Anders als im Bürogebäude sind Türbreiten selten das Problem. Fünf andere Punkte sind es.
Punkt 1
Boden und Fugen
Industrieboden ist meist unkritisch, Dehnungsfugen und Kanaldeckel sind es nicht. Bei Schwerlast entscheidet zusätzlich die Tragfähigkeit des Bodens, besonders auf Zwischengeschossen und Rampen.
Zu prüfen: Fugenbreiten, Deckel und Roste auf der Route, Tragfähigkeit bei Lasten über einer Tonne.
Punkt 2
Gangbreite und Wendeflächen
Eine Schwerlastplattform braucht Platz zum Wenden, und zwar mit Last. Der Wendekreis ist der Punkt, an dem Hallenlayouts nachjustiert werden müssen, nicht die Fahrbreite.
Zu messen: Gangbreite, freie Fläche an jedem Stellplatz, Abstand zu Regalen und Säulen.
Punkt 3
Gemischter Verkehr mit Staplern
Das ist der sicherheitsrelevante Punkt. Gabelstapler haben Vorrang, sichtbehinderte Kreuzungen sind kritisch, und die Route sollte Staplerwege möglichst kreuzen statt begleiten. Wo das nicht geht, braucht es getrennte Zeitfenster oder eine bauliche Trennung.
Zu klären: Staplerwege, Kreuzungspunkte, Sichtverhältnisse, ob getrennte Fahrfenster möglich sind.
Punkt 4
Funkabdeckung über die ganze Route
Hallen mit Metallregalen haben Funklöcher. Für die Fahrt selbst ist das verkraftbar, für Statusmeldungen und Fernzugriff nicht. Ein Loch mitten auf der Strecke wird später als Störung gemeldet.
Zu messen: Signalstärke entlang der Route, besonders in Regalgassen und an Toren.
Punkt 5
Ladeplätze und Schichtbetrieb
Bei einem Gerät genügt ein Ladeplatz am Rand. Bei drei Geräten im Zweischichtbetrieb wird die Ladeplanung Teil der Rundenrechnung, weil Ladezeit von der Betriebszeit abgeht.
Zu klären: Anzahl Ladeplätze, Standorte ausserhalb der Verkehrswege, Stromanschluss, Freigabe Brandschutz.
Lager und Büro: die kleineren Strecken
Nicht jede Logistikstrecke führt durch eine Halle. In Verwaltungsgebäuden mit angeschlossenem Lager sind die Wege kürzer, die Lasten kleiner und die Frequenz niedriger. Post, Verbrauchsmaterial, Kleinteile, Aktenumzüge.
Die Rechnung ist dieselbe, nur mit anderen Zahlen. Bei zwanzig Fahrten pro Tag und kurzen Strecken genügt ein Gerät, und die Übergabe darf sogar manuell bleiben, weil die Frequenz sie nicht zum Engpass macht. Dafür kommen die Themen aus dem Gebäudekontext dazu: Türen, Aufzug, Verkehr auf dem Gang. Die stehen auf Transportroboter.
Der häufigste Fall in dieser Grössenordnung ist nicht Effizienz, sondern Entlastung. Wenn eine Person zwei Stunden am Tag Material durchs Haus trägt, ist das keine Kostenfrage, sondern eine Frage danach, was sie in diesen zwei Stunden sonst tun könnte.
Häufige Fragen
Was macht ein Roboter in der Logistik?
Er bewegt Lasten auf wiederkehrenden Strecken innerhalb eines Standorts, also Intralogistik.
Typisch sind Wareneingang zum Lagerplatz, Kommissionierzone zum Versand, Produktion zu Zwischenlager und Leergut zurück. Greifen und Kommissionieren gehören nicht dazu.
Wie viele Roboter brauche ich?
Benötigte Fahrten pro Tag geteilt durch nutzbare Runden pro Tag, aufgerundet.
Die nutzbaren Runden ergeben sich aus Betriebszeit geteilt durch Rundenzeit, minus Puffer für Laden und Störungen. Die Rundenzeit enthält Fahrzeit hin und zurück plus beide Übergaben.
Was ist der Unterschied zwischen AMR und FTS?
Ein AMR navigiert frei und weicht aus, ein FTS folgt einer festen Spur.
Bei wechselndem Layout und gemischtem Verkehr ist die freie Navigation im Vorteil. Bei einer immer gleichen getakteten Linie kann die Spurführung robuster sein.
Wie schwer darf die Last sein?
Von einigen Kilogramm im Behälter bis 2.000 kg beim AutoXing FT2000 laut interner Spezifikation.
Für die Auswahl zählt die schwerste Last auf der Strecke. Bei Lasten über einer Tonne kommt die Tragfähigkeit des Bodens als eigene Prüfung dazu.
Können Roboter und Gabelstapler dieselbe Fläche nutzen?
Ja, aber das ist der sicherheitsrelevante Punkt und gehört vorher geplant.
Kritisch sind sichtbehinderte Kreuzungen. Wo sich Wege nicht entflechten lassen, arbeiten wir mit getrennten Zeitfenstern oder baulicher Trennung.
Wie lange dauert die Einführung?
Die Route ist schnell eingerichtet. Zeit brauchen Ladeplätze, Übergabestellen und die Abstimmung mit dem Staplerverkehr.
Wer auf Stufe 2 der Übergabe geht, also Wagen tauschen statt umladen, braucht zusätzlich standardisierte Wagen und definierte Stellplätze.
Rechnet sich das?
Die Gerätezahl lässt sich vorher berechnen, die Wirtschaftlichkeit nicht ohne Ihre Zahlen.
Dafür braucht es die tatsächlichen Personalkosten der heutigen Wegzeit. Wir rechnen das im Gespräch mit Ihren Werten, nicht mit Branchendurchschnitten.
Strecke durchrechnen lassen
Schreiben Sie uns die Streckenlänge, die Anzahl Fahrten pro Tag und was transportiert wird. Wir rechnen die Rundenzeit und die Gerätezahl durch und sagen offen, wenn die Frequenz zu niedrig ist, damit sich die Automatisierung trägt.
