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AMR oder FTS: Unterschiede, Vor- und Nachteile für die Lagerlogistik

Wer Transportaufgaben im Lager automatisieren möchte, stößt schnell auf die Frage AMR vs. FTS: Autonome Mobile Roboter (AMR) auf der einen, Fahrerlose Transportsysteme (FTS, im Englischen auch AGV) auf der anderen Seite. Der Unterschied klingt zunächst technisch, hat aber direkte Auswirkungen auf Investitionshöhe, Betriebsflexibilität und die Frage, wann sich ein System wirklich rechnet. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Unterschiede, benennt ehrliche Vor- und Nachteile beider Ansätze und hilft Ihnen, die passende Technologie für Ihre Situation zu finden.

Was ist ein FTS – und wie navigiert es?

Ein Fahrerloses Transportsystem (FTS) bewegt Güter entlang fest definierter Routen. Die Navigation erfolgt über physische oder digitale Hilfsmittel: Induktionsschleifen im Boden, Magnetstreifen, Bodenmarker (QR-Codes) oder fest verlegte Schienen. Das System “kennt” seinen Weg durch diese Infrastruktur – nicht durch eigene Umgebungswahrnehmung.

Was das in der Praxis bedeutet:
– Routen sind vor Inbetriebnahme festzulegen und bei Änderungen physisch anzupassen.
– Hindernisse auf der Route können nicht autonom umfahren werden; das System stoppt.
– Hohe Verlässlichkeit auf bekannten Strecken in stabilen Umgebungen.
– Bewährt in der Serienproduktion, Automobilindustrie, schwerer Intralogistik.

FTS-Systeme sind seit Jahrzehnten etabliert und gut erprobt. Sie eignen sich überall dort, wo Routen konstant bleiben, die Infrastruktur einmalig aufgebaut wird und Zuverlässigkeit wichtiger ist als Flexibilität.

Was ist ein AMR – und was unterscheidet ihn grundlegend?

Ein Autonomer Mobiler Roboter (AMR) navigiert ohne feste Infrastruktur. Er erstellt über Sensoren (typischerweise LiDAR) eine Karte seiner Umgebung, plant Routen selbständig und passt diese in Echtzeit an, wenn Menschen, andere Roboter oder Hindernisse im Weg stehen.

Kernunterschiede zur FTS:
– Keine Bodenmarkierungen, keine Induktionsschleifen nötig.
– Routen können softwareseitig geändert werden, ohne bauliche Eingriffe.
– Kollisionsvermeidung durch eigene Sensorik.
– Karte und Routing lassen sich an veränderte Lagerlayouts anpassen.

AMR sind die jüngere Technologie. Durch sinkende Hardwarekosten und bessere Software sind sie heute auch für mittlere Betriebe zugänglich. Der Transportroboter-Bereich umfasst heute eine breite Bandbreite an AMR-Modellen, die für unterschiedliche Nutzlasten und Einsatzszenarien gebaut sind.

Navigation im direkten Vergleich

Merkmal FTS/AGV AMR
Navigationsart Infrastrukturgebunden (Spur, Marker) Autonome Karte (LiDAR, SLAM)
Hindernisreaktion Stopp Ausweichen oder Neurouting
Routenänderung Physischer Umbau nötig Softwareseitig per Fleet-Management
Kartierung Keine (Infrastruktur ist die Karte) Automatisch beim ersten Einsatz
Umgebungstoleranz Stabile, kontrollierte Umgebung Auch dynamische Umgebungen

SLAM (Simultaneous Localization and Mapping) ist das Verfahren, mit dem moderne AMR ihre Umgebung erfassen und sich darin orientieren. Es funktioniert ohne externe Referenzpunkte und macht AMR unabhängig von Bodenbeschaffenheit oder Installationsarbeiten.

Infrastruktur und Installationsaufwand

Das ist einer der größten praktischen Unterschiede zwischen den beiden Technologien.

FTS: Vor Inbetriebnahme müssen Routen geplant, markiert und teilweise verbaut werden. Das ist ein Einmalprojekt – aber ein aufwändiges. Jede Routenänderung erfordert erneuten baulichen Aufwand. In Lagern, die sich selten verändern, fällt das kaum ins Gewicht. In dynamischeren Umgebungen ist es ein echter Nachteil.

AMR: Der Roboter fährt einmalig durch das Lager und erstellt seine Karte. Danach sind Routen, Haltepunkte und Missionen per Software definierbar. Kein Bodenmonteur, kein Umbau beim nächsten Layout-Wechsel. Das macht AMR zu einer besseren Wahl für Betriebe, die ihr Layout regelmäßig anpassen oder bei denen heute noch nicht feststeht, wie die Abläufe in zwei Jahren aussehen.

Flexibilität und Skalierbarkeit

AMR sind in der Regel einfacher zu skalieren: Ein weiteres Fahrzeug wird in die Fleet-Management-Software eingespielt, Routen werden zugewiesen, fertig. Mehrere AMR teilen sich die Karte und koordinieren sich über eine zentrale Flotten-Software.

FTS lassen sich ebenfalls erweitern – aber jede neue Route braucht wieder Infrastruktur. Das macht schnelles Skalieren langsamer und teurer.

Ein weiterer Flexibilitätsfaktor: AMR können in gemischten Umgebungen mit Menschen betrieben werden. Die Sensoren erkennen Personen und weichen aus. Das ermöglicht Betrieb ohne Absperrung, was in vielen Lagern ein praktischer Vorteil ist.

Typische Einsatzszenarien

FTS eignet sich gut für:
– Hochvolumen-Produktionslinien mit fixen Routen (z. B. Automobilzulieferer)
– Schwere Lasten (mehrere Tonnen), die AMR nicht leisten können
– Umgebungen, in denen absolute Positionspräzision nötig ist
– Betriebe, die einmalig investieren und dann Jahrzehnte konstant fahren

AMR eignet sich gut für:
– Lager mit wechselnden Layouts oder saisonalen Anpassungen
– Bestandsgebäude ohne Umbaureserve
– Einstiegsprojekte mit Pilot-Logik (1–2 Roboter, dann erweitern)
– Betriebe, die auf RaaS (Robot-as-a-Service) setzen möchten

Im SEBOTICS Logistik-Portfolio sind AMR-Lösungen wie die AutoXing Juno-Serie und der T300 verfügbar, die für klassische Intralogistikaufgaben konzipiert sind: Tabletop-Transport (JunoBot AX6113), autonomes Heben von Wagen (Juno Lift) oder schwere Güter bis rund 300 kg (T300).

Kosten-Logik: Was wirklich teurer ist

Die Anschaffungskosten allein sagen wenig. Entscheidend sind Gesamtkosten über die Nutzungsdauer.

FTS: Oft günstigere Hardware pro Fahrzeug, aber höhere Installationskosten. Routen-Änderungen kosten jedes Mal Geld. Langfristig attraktiv bei stabilen, vorhersehbaren Abläufen.

AMR: Höhere Anschaffungskosten pro Einheit als einfache FTS, aber kein Infrastrukturaufwand. Schnellere Inbetriebnahme, niedrigere Änderungskosten. Attraktiv für dynamische Umgebungen und Betriebe, die mit einem Piloten starten.

Beide Technologien sind zudem als RaaS verfügbar – das bedeutet monatliche Betriebskosten statt Investition, was Einstiegshürden senkt und Kapital schont.

Für eine realistische Kosten- und ROI-Einschätzung lohnt sich ein früher Blick auf die Betriebskosten, nicht nur den Listenpreis. SEBOTICS begleitet diesen Prozess vom Site-Survey über den Piloten bis zum Rollout, ohne Herstellerbindung.

Entscheidungshilfe: AMR oder FTS?

Keine Technologie ist universell besser. Die richtige Wahl hängt von Ihrem Betrieb ab.

Wählen Sie FTS, wenn:
– Ihre Routen über Jahre konstant bleiben
– Sie sehr schwere Lasten (weit über 300 kg) bewegen
– Höchste Positionspräzision auf einer festen Strecke gefragt ist
– Sie eine etablierte, erprobte Technologie mit breitem Marktangebot bevorzugen

Wählen Sie AMR, wenn:
– Ihr Layout sich verändert oder Sie das heute noch nicht genau wissen
– Sie schnell starten und schrittweise skalieren möchten
– Sie in einem Bestandsgebäude ohne Umbau arbeiten
– Flexible Einsatzbereiche (mehrere Gebäude, wechselnde Missionen) gefragt sind
– Sie RaaS als Modell bevorzugen

In vielen Betrieben ist auch eine Kombination sinnvoll: FTS für feste Schwerlastrouten, AMR für flexible Distributionsaufgaben. Der richtige Mix ergibt sich aus einer ehrlichen Analyse der Ist-Prozesse.


FAQ

Was ist der Hauptunterschied zwischen AMR und FTS?
AMR navigieren autonom per Sensorik (LiDAR, SLAM) ohne feste Infrastruktur. FTS folgen vordefinierten Spuren oder Markierungen im Boden. AMR sind flexibler, FTS auf stabilen Routen zuverlässiger.

Kann ein AMR auch schwere Lasten transportieren?
Moderne AMR wie der T300 sind für Lasten bis rund 300 kg ausgelegt. Für deutlich schwerere Güter (z. B. Paletten ab einer Tonne aufwärts) sind spezialisierte FTS oder Gabelstapler-AMR die bessere Wahl.

Brauche ich für AMR trotzdem Umbaumaßnahmen?
In der Regel nein. AMR kartieren die Umgebung selbständig. Für bestimmte Modelle können Ladestationen installiert werden – das ist aber deutlich weniger aufwändig als die Infrastruktur eines klassischen FTS.

Was kostet ein AMR-System im Vergleich zum FTS?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten, da Gesamtkosten stark von Nutzlast, Anzahl der Fahrzeuge, Integrationsaufwand und Servicemodell abhängen. Ein Site-Survey mit konkreter Bedarfsanalyse gibt verlässlichere Zahlen als jeder Listenpreis.

Wie lange dauert die Inbetriebnahme eines AMR?
AMR lassen sich in der Regel deutlich schneller in Betrieb nehmen als FTS, da keine Infrastruktur verbaut werden muss. Ein erster Pilot kann oft innerhalb weniger Tage nach Lieferung fahren.


Nächster Schritt

Wenn Sie konkret prüfen möchten, welche Technologie – AMR, FTS oder eine Kombination – zu Ihren Abläufen passt, sprechen Sie mit uns. SEBOTICS führt einen Site-Survey durch, bewertet Ihre Anforderungen herstellerneutral und empfiehlt ein Pilot-Setup, das Investitionsrisiken minimiert.

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